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- Mykoplasmen in der Zellkultur ? Kontaminationen sind unsichtbar, aber
nicht ungefaehrlich Wir werden immer wieder
gefragt: Was sind Mykoplasmen? Wie erkenne ich sie? Wie schaedigen sie meine
Kulturen und wie erkenne ich diese Schaeden? Kann ich bei Befall meine
Kulturen retten oder nicht? Fragen, die sich jeder,
der mit Zellkulturen arbeitet, schon selbst gestellt hat. Sind Sie sich sicher,
keine Kontamination in Ihren Kulturen zu haben? Vielleicht denken Sie
sich: Lieber keine schlafenden Hunde wecken, bis jetzt ist doch alles gut
gegangen... , oder? Wir wollen Ihnen dabei
zur Seite stehen und zugleich ein gutes Angebot zur Testung Ihrer Zellkultur
auf Mykoplasmen machen, doch zunaechst die am haeufigsten gestellten Fragen
unserer Kunden beantworten: Was sind
Mykoplasmen ? Mykoplasmen sind die
kleinsten Prokaryoten, die man bisher gut charakterisiert hat. Sie sind ca. 0.2
bis 2,0 Mikrometer kleine und sehr ungewoehnliche Mikroorganismen. Sie haben im
Gegensatz zu ihren Verwandten (Bakterien, Bazillen) keine rigide Zellwand und
es fehlen intrazellulaere Membranen. Gemeinsam haben sie mit den meisten
Bakterien ein relativ kleines Genom und die Vermehrung durch einfache
Zweiteilung, wobei sie erheblich langsamer wachsen als Bakterien. Fuer
Prokaryoten ist es sehr ungewoehnlich, dass Mykoplasmen fuer ihre Membran bzw.
fuer das Wachstum Cholesterin benoetigen. Ca. 20 Mykoplasmenstaemme sind fuer ca.
95 % aller Infektionen unserer Zellkulturen verantwortlich (fuer die Herkunft ist
zu nahezu gleichen Anteilen der Mensch, das Rind und das Schwein
verantwortlich). Zellkulturen zeigen optisch kaum Veraenderungen, wenn sie mit Mykoplasmen befallen sind. Warum werden die Mykoplasmen trotzdem als gefaehrlich eingestuft?? Mykoplasmen richten
anfangs keine erkennbaren
Schaeden an. Sofern Sie Ihre Zelllinie gut kennen oder durch eine Wachstumskurve
charakterisiert haben, werden Sie als erstes beobachten, dass bei einer
moeglichen Infektion ihre Kulturen immer etwas langsamer wachsen. Lichtmikroskopisch
sichtbar sind Infektionen mit Mykoplasmen leider nicht, da die Prokaryoten
unter der Aufloesungsgrenze des Lichtmikroskops liegen, die bei ca. 260 nm
liegt, also 0,26 µm. Es ist weder im Medium eine Truebung erkennbar, noch ein augenfaelliger pH-Umschlag ins saure
Milieu (Medium wuerde sich gelb verfaerben), noch dramatische morphologische
Veraenderungen an den Zellen. Aber: Mykoplasmen
greifen vielfaeltig in den Stoffwechsel der befallenen Zellen ein und veraendern
damit das Wachstum und letztlich doch die Eigenschaften der Zellen. So
verursachen sie meist eine fortschreitende Verarmung von basischen Aminosaeuren
im Zellkulturmedium, was zu einer Destabilisierung der Chromosomen fuehrt. Die
Folgen sind Mikrokernabspaltungen, Anfaelligkeit der Zellen fuer Mutation und
Transformation und vorzeitiges Ausloesen der Apoptose, dem natuerlich induzierten
Zelltod. Mykoplasmen koennen auch Antigenpraesentationen verhindern und
Signaltransduktion ausloesen. Zusaetzlich koennen sie Rezeptorfunktionen der
Zellmembran stoeren und in die Zelle eindringen. All dies geht langsam und
schleichend vor sich. Fazit: Mykoplasmen sind immer und ueberall und
machen, bedingt durch unsterile Materialien oder unsaubere Arbeitsweise, auch
vor Zellkulturen nicht halt. Und: Nichtwissen schuetzt vor Schaden nicht! Jedes
Labor sollte routinemaessig Tests ihrer Kulturen durchfuehren, um gegebenenfalls
bei einer Infektion groesseren Befall im Zellkulturlabor zu verhindern (die
Wahrscheinlichkeit, dass Mykoplasmen auf andere, bisher nicht kontaminierte
Kulturen ueberspringen, ist sehr gross). Die 2 Methoden zur Mykoplasmenerkennung,
die wir anbieten, sind: DAPI-Faerbung
/ Fluoreszenzmikroskopie: Dieses System hat sich
ueber lange Zeit bewaehrt und wird in unserem Institut seit ueber 20 Jahren
angewandt. Die indirekte DNA-Faerbemethode kann mit allen Zellkulturen, ob
adhaerent oder in Suspension wachsend, oder in deren Ueberstaenden angesetzt
werden. Dabei wird die Faehigkeit von bestimmten Fluoreszenzfarbstoffen (DAPI
oder Hoechst 3352) mit der DNA zu interkalieren, ausgenutzt: Der Farbstoff
schiebt sich in das riesig lange Makromolekuel zwischen die Nukleotidpaarungen
und ruft dort nach UV- Bestrahlung im Mikroskop eine starke, gut erkennbare
Fluoreszenz hervor. In Mykoplasmen freien Proben wird nur der Kern der Zellen
angefaerbt, waehrend im Zytoplasma und ausserhalb der Zellen keinerlei Fluoreszenz
zu sehen ist. In kontaminierten Proben bilden die angefaerbten,
mykoplasmatischen DNA-Ringe indirekt den Zellkoerper punktuell oder als Schleier
ab, da die Mykoplasmen an ihm haften.
Dieser Test erfordert zwar einige Sorgfalt und Zeit (Inkubationszeit von
Traegerzellen mit dem zu testenden Ueberstand von ca. 2-4 Tagen) und neben einem
guten Fluoreszenzmikroskop auch einige Erfahrung, ist aber dann empfindlich und
aussagekraeftig genug, um eine erfolgte Kontamination sicher zu erkennen oder
auszuschliessen. Jedoch wer verlaesst
sich schon auf nur einen Test, auch wenn er noch so gut ist? Einfach und sehr sensitiv
ist eine neue Methode, die wir evaluiert haben: der sog. Mycoalert -Test der
Fa. Cambrex (fuer die Zellkulturprofis: dies ist die ehemalige Firma
Biowhitaker) -
der schnellste Test bei der Mykoplasmenerkennung, zudem einfach zu handhaben
und sicher in der Aussage. Ausgangspunkt bei diesem
Test ist die Tatsache, dass sich in den Mykoplasmen spezielle Enzyme befinden,
die in unseren Saeugerzellen entweder quantitativ nur eine geringe Rolle spielen
oder ?berhaupt nicht vorkommen. Die lebenden Mykoplasmen werden bei diesem Test
mittels eines speziellen Reagenzes lysiert: Somit werden die spezifischen
Enzyme freigesetzt. Diese reagieren mit einem zugesetzten Substrat, welches die
Umsetzung von ADP zu ATP katalysiert. Im Luminometer werden die Lichtblitze
ausgewertet, die bei der Umwandlung zu ATP mittels der bekannten Lumineszenzerscheinung
(Luziferin/Luziferase-System) entstehen. Misst man bei diesem Verfahren den
Unterschied der Lumineszenz vor und nach Zugabe des Agens, so kann leicht aus
dem Verhaeltnis der beiden Messungen auf eine Kontamination geschlossen werden.
Das Verfahren ist empfindlich genug, um alle Mykoplasmen-Staemme mit einer sehr
guten Empfindlichkeit (< 100 CFU) zu erkennen. Zudem ist der Test schnell durchzufuehren, sodass ein
Ergebnis schon innerhalb von 20 min vorliegt. Falsch positive Ergebnisse sind
nahezu ausgeschlossen: Es sei denn sie haben eine spezielle Bakterieninfektion
(z.B. bakterielle L-Formen), dann sollten Sie die Kulturen sowieso vernichten.
Einziger Schwachpunkt ist das nicht in allen Labors vorhandene Luminometer,
doch auch ein Szintillationszaehler eignet sich dafuer, sofern man den
Koinzidenzmodus ausschalten kann. Die
weiteren Tests: PCR: Als angeblich sensitivste
Methode ist die Polymerasekettenreaktion, kurz PCR, zu nennen, die mittlerweile
in jedem molekularbiologischen Labor fast Standard ist. Sie ist, wenn man mit
dieser Methode vertraut ist, ein durchaus gutes und fuer alle Mykoplasmenstaemme
anwendbares Verfahren, auch wenn die frueher angegebene hohe Sensitivitaet sich
nicht ganz bestaetigen liess. Probleme gibt es bei falsch positiven Resultaten,
wenn man nicht mit der noetigen Sorgfalt den Test durchfuehrt, da auch der
gesunde Mensch selbst Mykoplasmen vor allem im Rachenraum mit sich traegt.
Weiterhin sind die Kosten und die Dauer ein Problem, selbst mit modernsten
Geraeten braucht man/frau einen ganzen Tag, um eine Aussage zu bekommen. Fazit: Teuer, aufwaendig, mittelpraechtig in der
Empfindlichkeit, jedoch fuer gut ausgebildete Molekularbiologen, die den Blick
ins Mikroskop scheuen, zu empfehlen. Die DirektkultivierungAls zweite, relativ
empfindliche Methode ist die direkte Kultivierung in einem besonderen Agar, dem
Mykoplasmenagar, zu erwaehnen. Hierbei wird in einem komplizierten Verfahren
zunaechst eine anaerobe Direktkultur des Zellkulturueberstandes vorgenommen,
wobei eine positive Kontrolle dabei mit angesetzt werden muss (meist M.
pneumoniae). Jedoch dauert es mindestens 14 Tage bis drei Wochen, bis ein
Ergebnis sichtbar ist und manche, vor allem die vom Menschen stammenden Staemme,
sind nicht kultivierbar, d.h. selbst ein in einem anderen Test als positiv
erkennbare Kontamination kann ein negatives Ergebnis bringen. Zur
Empfindlichkeitssteigerung gibt es bei diesem Verfahren noch eine
Anreicherungsvariante, die mit einem speziellen Anreicherungsmedium zunaechst
fuer mindestens zwei Wochen unter aeroben Bedingungen arbeitet. Anschliessend
wird die Probe wieder auf den Mykoplasmenagar unter anaeroben Bedingungen fuer
weitere 14 Tage inkubiert. Auch hier sind wiederum bestimmte Staemme als
Positivkontrollen vorgesehen. Man sieht unschwer, dies
ist selbst fuer den ausgefuchstesten Mikrobiologen eine Herausforderung, von der
Notwendigkeit, sich lebende Mykoplasmen ins Labor zu holen, ganz zu schweigen.
Ferner ist das Protokoll der Kultivierung zwar aus der Laborroutine heraus
reproduzierbar, ganz einsichtig und konsequent ist das Verfahren keineswegs, da
die auf den Zellen vorhandenen und auch wachsenden Mykoplasmen durchaus unter
aeroben Bedingungen anscheinend praechtig gedeihen, auch wenn man unterstellt,
dass es moeglicherweise fakultativ anaerob wachsende Mykoplasmen in der
Zellkultur geben koennte. Und dann kommt noch ein Umstand hinzu (s.o.): Manche
Staemme, und darunter sind gerade
die humanen, widersetzen sich dieser Direktmethode und wachsen nicht auf dem Agar.
Ein Test, derzwar sehr sensitiv ist (es werden noch weniger als 100 Kolonie bildende Einheiten = CFUs
erkannt), jedoch fuer die Praxis und als Routinetest wohl nicht zu empfehlen. Weitere Tests: Ein weiterer Test, der
angeboten wird, ein sog. ELISA- Test ist auf dem Markt, der mittels monoklonaler
Antikoerper gegen Mykoplasmen spezifische DNA- bzw. RNA- Abschnitte eine ganze
Reihe von Mykoplasmen erkennt. Jedoch ist er aufwendig und teuer und in der
Empfindlichkeit nur durchschnittlich, da er nicht alle Spezies erkennt und
deshalb mit Vorsicht zu interpretieren ist. Ein weiterer Test, der
relativ einfach durchzufuehren ist, ist der sog. 6-MPDR- Test. Auch hier ging
man von den Mykoplasmen spezifischen Enzymen aus (ein die Erbsubstanz modifizierendes Enzym, das im
Saeugerrepertoire quantitativ nahezu undetektierbar ist, welches die Mycoplasmen
aber durchaus besitzen). Dieses Enzym wandelt ein eingesetztes Substrat um, das
6-Methyl-Purin-Desoxyribosid, kurz 6-MPDR genannt. Diese Substrat wird nun mit
der Zeit von den Mykoplasmen aufgenommen und zu einem fuer Saeugerzellen
zytotoxischem Agens verstoffwechselt. Diese Metabolisierung braucht mindestens
2- 3 Tage, wobei das Agens einfach mit den Zellen inkubiert wird. Je nach
Zelllinie zeigt sich dann nach
dieser Zeit der zytopathische Effekt, d.h. die Zellen gehen durch das
Stoffwechselendprodukt langsam zu Grunde. Leider ist bei aller Einfachheit dieser
Test der unempfindlichste. Ferner empfiehlt sich
dabei der Gebrauch von sog. Indikatorzellen: Z.B. die Mauszelllinie 3-T-6
reagiert relativ empfindlich auf das Stoffwechselprodukt, sodass es
empfehlenswert ist, nach den drei Tagen Inkubation mit dem Substrat 6-MPDR den
Ueberstand abzunehmen und diese Indikatorzelllinie damit zu fuettern und nach 2-3 Tagen die Reaktion
unter dem Mikroskop zu diagnostizieren. Bei aller Einfachheit des Tests
benoetigt man (frau) doch nahezu eine Woche, um ein Ergebnis zu bekommen. Der letzte und bisher
aufwendigste Test, der zudem nur mit Radiochemikalien auskommt, ist die
spezifische Hybridisierung von sog. DNA- Sonden. Sie sind allesamt auf der
Basis Mykoplasmen spezifischer r-RNA aufgebaut, und hybridisieren mit der
entsprechenden DNA der Mykoplasmen. Durchaus sensitiv, jedoch noch nicht
kommerziell verfuegbar. In einigen Institutionen, wie der Deutschen Sammlung fuer
Mikroorganismen und Zellkulturen
(DSM) wird dieser Test als
Serviceleistung angeboten. Unsere
Leistungen zum Thema Mykoplasmen: Wir
bieten Ihnen an: So bieten wir schon seit
langem den DAPI- Test als Dienstleistung an und haben den Lumineszenztest neu
aufgenommen. Test Ihrer Zellsuspension
oder Ihres Zellkulturueberstandes (Bedarf 5 ml Versand z.B. in Roehrchen, im
wattierten Kleinumschlag per Post) mit ?
DAPI-Faerbung
/ Fluoreszenzmikroskopie (Einzelpreis EURO 79.--/Probe) ?
Mycoalert / Luminometer (Einzelpreis Euro
79.--/Probe) Als Paket koennen wir zum
unschlagbaren Preis von Euro 140.--
diese beiden Tests anbieten, hierbei bekommen sie eine gute Aussage und hohe
Sicherheit ueber die Mykoplasmen- Freiheit Ihrer Kulturen. Die Prozedur ist
einfach und ?berzeugend: Sie schicken uns Ihre Zellen trypsiniert (bei
adhaerenten) oder nicht trypsiniert (bei Suspensionszellen) als Suspension (5ml
in einem kleinen Zentrifugenroehrchen) zu und nach spaetestens fuenf Tagen haben
Sie ein Ergebnis, das Sie ueberzeugen wird. Probieren Sie es aus, Sie werden
sehen, es lohnt sich, den Status Ihrer Kulturen bezueglich Mykoplasmen zu
kennen. Zu
guter Letzt: Was tun, wenn die Kulturen wirklich verseucht sind?Die erste und beste
Reaktion: Fort mit Allem, was mit der verseuchten Zellkultur im weitesten Sinne
zusammenhaengt, die verseuchten Kulturen in den Autoklaven und konsequent von
Neuem anfangen. Zweite Moeglichkeit, wenn
die Kulturen nicht ersetzbar sind: Rettung durch Einsatz von Antibiotika.
Wirklich koennen nur drei Antibiotika helfen: Ciprofloxacin (Ciprobay),
Tiamulin und Minocyclin (BM- Cyclin I und II ). Alle anderen Antibiotika sind
entweder Nachahmer (so z.B. das Mycoplasma Removal Agent ist nahezu identisch
mit Ciprofloxacin) oder andere (wie Gentamycin, Streptomycin und weitere
Antibiotika) sind einfach wirkungslos bzw. durch Resistenzentwicklung dazu
geworden. Doch Vorsicht: Eine
Garantie nach der Behandlung gibt es auch bei den wirksamsten Mitteln nicht, es
kann immer wieder zu Reinfektionen oder gar zu Resistenzen kommen und wenn Sie
Ihre Kulturen wirklich dauerhaft kurieren wollen, kommen Sie um eine Klonierung
nach der Behandlung
nicht herum. Dies ist aufwaendig und nur durch konsequente Kontrollen (siehe
oben) zu erreichen. Ich wuensche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Kulturarbeit und moeglichst
keine Mykoplasmen! Ihr Toni Lindl |
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